Die Wilhelmsburgkaserne in Ulm ist ein Teil der Aufrüstung und Abschreckung - und damit ein Teil des Problems. Kein Teil der Lösung! In der Wilhelmsburgkaserne werden unsere Steuergelder verschwendet. Aber die Soldaten dort tragen letztendlich nichts zum Frieden in der Welt bei, eher zum Unfrieden.

Diese Kaserne beherbergt

  1. das JSEC (Joint Support and Enabling Command = Nato-Unterstützungs-und Ermöglichungs-Kommando)

  2. das MNJHQ (Multinationales Kommandos Operative Führung / Multinational Joint Headquarters Ulm (MN KdoOpFü / MN JHQ Ulm)

  3. das Militärmusikkorps Ulm und

  4. die Militärseelsorge (ev/rk) und

  5. die Militärpolizei (7./FJRgt3 Ulm)

Aktuell: Montag, 1.4.2019, 15-17 Uhr, kleine Friedensmahnwache mit 3-6 Teilnehmer*innen, am Haupttor, Stuttgarter Straße 199, anlässlich der Indienststellung des JSEC.

Aktuell: Gründonnerstag, 18.04.2019, 16.30-17.00 Uhr, Friedenskundgebung mit etwa 150 Teilnehmer*innen, am Haupttor. JSEC und MNJHQ abschaffen! Stattdessen auf Dialog, Vernunft, Deeskalation und Völkerverständigung setzen!
 

Artikel "Drehscheibe Deutschland, Nato-Aufmarsch in Osteuropa" August 2018, IMI-Ausdruck, Seite 14-16, hier als pdf-Datei

Rückblick: "Kein Nato-Logistik-Kommando in Ulm!" Friedens-
Demonstration am 21. Juli 2018

 

Wir fordern: Abrüstung statt Aufrüstung!   Dialog statt Eskalation!   Entspannung statt Säbelrasseln!   Kein Krieg aus Ulm! Nicht ins Militär investieren, sondern in Bildung, Pflege, Rente - und in Projekte der Völkerverständigung!
 

​Ablauf: 13.00 Uhr: Auftakt am Haupttor der Wilhelmsburg-Kaserne, Stuttgarter Straße 199,  89081 Ulm (Bus Linie 7, Haltestelle Wilhelmsburgkaserne). Anschließend Demonstrationszug in die Stadt. Zwischenstopp am Olgaplatz, Moltke-Denkmal. Insgesamt 3,5 km Fußweg. 14.30 Uhr: Friedenskundgebung auf dem Marktplatz (hinter dem Rathaus) in 89073 Ulm (Stadtmitte).
 

Im Juni 2018 wurde es offiziell: Ulm bekommt ein Nato-Hauptquartier für schnelle Truppen- und Materialtransporte, englisch „Joint Support Enabling Command“, JSEC. Dieses Hauptquartier wird circa 3 km nördlich der Stadtmitte, in der Wilhelmsburg-Kaserne eingerichtet. Dort befindet sich bereits jetzt das Multinationale Kommando Operative Führung. Der Hintergrund ist die neue Angst vor Russland. Das neue Nato-Kommando soll die Bewegungen der Nato-Truppen durch Europa organisieren. Von Ulm aus werden bereits jetzt regelmäßig Manöver an der „Ostflanke der Nato“ durchgeführt. Ulm macht sich hierdurch zum Ziel von Terrorangriffen und Kriegshandlungen.
 

Unterstützer: Friedensnetz Baden-Württemberg, Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner/innen Landesverband Baden-Württemberg, Gruppe friedensbewegt-ulm, ...

Zitat: "Es gäbe genug Geld, genug Arbeit, genug zu essen, wenn wir die Reichtümer der Welt richtig verteilen würden, statt uns zu Sklaven starrer Wirtschaftsdoktrinen oder -traditionen zu machen. Vor allem aber dürfen wir nicht zulassen, dass unsere Gedanken und Bemühungen von konstruktiver Arbeit abgehalten und für die Vorbereitung eines neuen Krieges missbraucht werden." (Albert Einstein)

Rechts: ​Video vom 31.01.2018, Wilhelmsburg-Kaserne Ulm, Kommando-Übergabe von Richard Roßmanith an Jürgen Knappe. Es herrscht eine fast religiöse Stimmung. Fackelträger in der Nacht. Das Heeresmusikkorps Ulm spielt den "Großen Zapfenstreich". Das Militär und der Krieg werden in Ulm auch heute noch als alternativlos dargestellt und gefeiert. Die Militärtradition lebt in Ulm munter weiter - und wird uns in weitere Kriege führen.

SÜDWEST PRESSE, Ulm Regionalausgabe, 1. Februar 2019, Seite Nr.18, Autor: Willi Böhmer.

Neues Kommando nimmt im April den Dienst auf.

Militär. Zur Einheit von Generalleutnant Jürgen Knappe sollen im Normalbetrieb 160 Soldaten gehören.

Die zusätzlichen Aufgaben für die Bundeswehrkommandos in der Ulmer Wilhelmsburgkaserne nehmen Konturen an. Bereits am 1. April wird das neue Kommando JSEC in Dienst gestellt. Es soll als deutscher Beitrag für die Nato die Verlegung großer Truppenkontingente quer durch Deutschland und Europa organisieren, dafür sorgen, dass Ablösungen und Ersatzmaterial zur Verfügung stehen und die Sicherheit der Truppentransporte garantieren. Das berichtete Generalleutnant Jürgen Knappe, Befehlshaber der Truppen in der Wilhelmsburgkaserne, gestern Abend beim traditionellen Jahresempfang im Kornhaus.

Das neue Kommando – JSEC steht für „Joint Support and Enabling Command“ – wird in der Wilhelmsburgkaserne als eigene militärische Einheit unter Knappes Befehl arbeiten. 160 Soldaten werden dieses Kommando bilden. Es wird zur einen Hälfte aus Bundeswehrsoldaten bestehen, zur anderen aus Soldaten, die von 19 Nationen entsandt werden. Dem stimmten diese Staaten bei einem Treffen im Dezember zu, berichtete der Generalleutnant.

Bei einem Einsatz soll JSEC auf mehr als 500 Soldaten aufgestockt werden. Dazu gehören dann auch 110 weitere Bundeswehrsoldaten aus der Wilhelmsburgkaserne, die eine Doppelfunktion haben: Sie arbeiten normalerweise für das in der Kaserne stationierte Multinationale Kommando Operative Führung, das im Auftrag der Nato, der Europäischen Union oder der Vereinten Nationen Auslandseinsätze führen soll, und wechseln ins neue JSEC-Kommando.

Zusätzlich wird ein reines Nato-Logistikkommando nach Ulm verlegt werden, das auch nur der Nato unterstellt bleibt. Es soll für Fragen der Logistik auf strategischer Ebene zuständig sein und eng mit JSEC zusammenarbeiten. Knappe rechnet damit, dass durch dieses Kommando 60 bis 80 Nato-Soldaten in die Ulmer Kaserne einziehen werden. „Das JSEC ist damit Deutschlands Beitrag zur Antwort der Nato auf die aktuellen sicherheitspolitischen Bedrohungen“, so der Befehlshaber.

Die Nato hatte nach den russischen Militäraktionen in der Ukraine und durch die Annexion der Krim die Neuordnung ihrer Kommandostrukturen beschlossen. Zwei neue Einheiten wurden geplant: eine, die die langen Nachschubwege über den Atlantik sichern soll und die ihren Sitz in Norfolk (USA) hat. Und das in Ulm stationierte JSEC, das in einem Krisen- oder Kriegsfall den Aufmarsch militärischer Kräfte im rückwärtigen Einsatzraum koordinieren und schützen soll. Denn Deutschland gilt für Militärs, anders als in Zeiten des Kalten Krieges, nach der Erweiterung des Nato-Gebiets etwa um Polen und die baltischen Staaten in einem Konfliktfall nicht mehr als Frontstaat, sondern als „Rear Area“ (rückwärtiger Einsatzraum).

Wie so ein Einsatz für das neue JSEC-Kommando aussehen könnte, konkretisierte Knappe an einem Beispiel: Eine US-Brigade landet mit 6000 Panzern in Neapel. Sie muss quer durch Europa nach Lettland. JSEC müsste organisieren, wie das zu bewerkstelligen ist: auf Fahrzeugen, mit der Bahn, mit Transportflugzeugen. Für die Grenzübertritte gäbe es viel zu organisieren, denn es soll keine Zeit durch langwierige bürokratische Prozeduren verloren werden.

Für die Panzer müsste Gelände bereitgestellt, die Soldaten versorgt werden. Das alles fiele unter die Aufgaben des JSEC. Die Einheit soll der Nato bereit zum 1. Oktober als teilweise einsatzfähig und 2021 als vollständig einsatzfähig gemeldet werden.

05.11.2018. Bundestag Drucksache 19/5481, Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE. Neues NATO-Hauptquartier in Ulm – Fragen zur Stadtentwicklung (pdf)

  

Vorbemerkung der Fragesteller: "In Ulm soll ein neues NATO-Hauptquartier (Joint Support and Enabling Command, kurz: JSEC) entstehen. Dieses wäre für die schnelle Verlegung von Truppen und Kriegsgerät an die NATO-Ostflanke und deren Schutz zuständig. Der Aufbau des JSEC könnte Auswirkungen auf die Stadtentwicklung in Ulm haben. Die angespannte Wohnraumsituation in Ulm wird durch die Verzögerung der Rückgabe des bislang militärisch genutzten Areals Bleidorn-Kaserne/Westerlinger Straße weiter verschärft, da die Stadt Ulm das Areal eigentlich in diesem Jahr kaufen wollte, um dort Wohnungen zu bauen. Ursprünglich war eine Rückgabe der Liegenschaft an die Stadt Ulm für 2018 geplant."

Juni 2018: Antwort der Bundesregierung auf die "Kleine Anfrage" einiger Bundestagsabgeordneter zum Thema Wilhelmsburgkaserne Ulm, hier als pdf.

Unsere Auswertung bzw. Zusammenfassung der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Ausbau der Kommandostruktur der NATO“ (Drucksache 19/2585)

A) Zusammenfassung:
Ein neuer NATO-Kommandostab – ein Joint Support and Enabling Command (JSEC) – soll in Ulm angesiedelt werden. Dieses soll künftig im Krisen- und Konfliktfall alle Truppenteile im durch den Oberbefehlshaber der NATO zugewiesenen Raum führen, so die Bundesregierung. Die Aufgaben des neuen NATOStabes wären nicht nur Logistik, sondern u.a. auch Schutz und die Durchführung von Militärübungen. Nicht nur Streitkräfte der NATO, sondern auch ihr zugeordnete Streitkräfte könnten möglicherweise durch das JSEC geführt werden. Dies könnte beispielsweise ukrainische Streitkräfte betreffen. Die Zuständigkeit des JSEC würde damit so weit reichen, wie der Verantwortungsbereich des Oberbefehlshabers der NATO in Europa. Diesem ist das JSEC auch direkt unterstellt. Das JSEC in Ulm wäre damit das Hauptquartier der NATO im Fall eines Krieges gegen Russland. Nach bisherigen Planungen ist Angaben der Bundesregierung zufolge hierfür eine stationäre Aufgabenwahrnehmung vorgesehen.

B) O-Ton Tobias Pflüger:
„Die häufige Bezeichnung des JSEC als Logistikkommando ist irreführend. Vielmehr handelt es sich um ein NATO-Hauptquartier für einen möglichen Krieg gegen Russland. Da dieses Hauptquartier auch im Kriegsfall in Ulm verbleibt, würde Ulm zu einem Hauptziel gegnerischer Kriegsparteien werden. Zudem weigert sich die Bundesregierung, die Kosten für das JSEC und den Stand der Planungen offenzulegen und begründet dies damit, dass der Aufba des JSEC erst 2021 abgeschlossen werden soll. Das ist skandalös. Die Bundesregierung schafft jetzt Fakten, bevor die Öffentlichkeit über Risiken, Details und Kosten dieses Aufrüstungsprojekts informiert wurde.“

C) Antwort
Zu Frage 1) und 2)
„Grundsätzlich muss das JSEC in der Lage sein, im Krisen- und Konfliktfall alle relevanten Truppenteile im durch den Supreme Allied Commander Europe (SAVEUR) zugewiesenen Raum führen zu können [...]“
„Das JSEC soll im Krisen- und Konfliktfall Korrdinierungs- und Führungsleistungen im jeweils konkret zugewiesenen Verantwortungsbereich sicherstellen und durch den Schutz wesentlicher Einrichtungen und Räume die Operationsfreiheit des SACEUR […] erhalten. […] Darüber hinaus ist beabsichtigt, Elemente des JSEC bereits im Freden bei der Planung und Koordination von NATO-Vorhaben z.B. bei der Durchführung von Übungen und Verlegungen, einschließlich der grenzüberschreitenden logistischen Unterstützung auf dem Bündnisgebiet einzubeziehen.“

Kurze Einschätzung:
Die Zuständigkeit des JSEC würde damit so weit reichen, wie der Verantwortungsbereich des Oberbefehlshabers der NATO in Europa. Aufgabe wäre nicht nur Logistik, sondern auch Schutz und die Durchführung von Übungen. Die Bezeichnung „Logistikkommando“ ist somit irreführend. Es wäre vielmehr das Hauptquartier der NATO im Falle eines Krieges gegen Russland.

Zu Frage 8)
Das JSEC ist auch für „der NATO zugeordnete Streitkräfte“ verantwortlich. Kurze Einschätzung: Nicht nur Streitkräfte der NATO, sondern auch ihr zugeordnete Streitkräfte könnten durch das JSEC geführt werden. Dies könnte z.B. Ukraine, Australien oder Albanien betreffen.

Zu Frage 11)
„Nach bisherigen Planungen ist eine stationäre Aufgabenwahrnehmung vorgesehen.“
Kurze Einschätzung: Der Führungsstab würde auch im Kriegsfall in Ulm verbleiben. Ulm würde damit im Falle eines Krieges zu einem Hauptziel gegnerischer Kriegsparteien werden.

Zu Frage 16) + 17)
Auf die Frage nach Kosten für die Aufstellung und den laufenden Betrieb des JSEC antwortete die Bundesregierung: „Die Maßnahmen zur Aufstellung des JSEC sollen im Herbst 2021 abgeschlossen werden. Zum jetzigen Zeitpunkt ist daher noch keine belastbare Aussage im Sinne der Fragestellung möglich.“

Kurze Einschätzung:
Das würde heißen, dass die Kosten erst nach der Aufstellung bekannt gegeben werden. Die Bundesregierung muss ihrer Informationspflicht jedoch unbedingt nachkommen.

Zu Frage 22) + 23)
„Bereits in der Aufstellungsphase des JSEC sollen Fähigkeiten, Verfahren und Elemente aus Projekten der internationalen Zusammenarbeit (u.a. PESCO) berücksichtigt werden, um Synergien zu erzielen und unnötige Doppelstrukturen zu vermeiden. [...]“
„Die Regelungen beim Grenzübertritt zu militärischen Zwecken bleiben in der Abstimmungs- und Entscheidungsverantwortung der betroffenen Nationen. Inwieweit das JSEC hierbei eine koordinierende bzw. unterstützende Rolle einnehmen kann, wird erst im Rahmen der Feinausplanung und in Abstimmung mit Partnernationen betrachtet werden.“
Kurze Einschätzung:
Es ist eine Einbindung des JSEC in die Permanent Structured Cooperation (PESCO), ein Projekt zur verstärkten militärischen Zusammenarbeit in der EU, geplant. Welche Rolle das JSEC bei der Senkung von Hürden beim Grenzübertritt zu militärischen Zwecken und der Anpassung ziviler Infrastruktur (Straßen, Brücken, etc.) an militärische Bedürfnisse hat, bleibt abzuwarten.

Zu Frage 41) + 42)
„An der litauischen Übungsserie 'Iron Wolf' beteiligt sich die Bundeswehr regelmäßig unter Einbindung des dort im Rahmen von Enhanced Forward Presence befindlichen Gefechtsverbandes mit etwa 500 Soldatinnen und Soldaten.“
„Die Übungsserie 'Iron Wolf' ist eine nationale Übungsserie der litauischen Streitkräfte. Die Namensgebung für nationale Übungen ist eine Angelegenheit der jeweiligen Staaten und bedarf weder der Zustimmung der NATO noch anderer Regierungen oder Streitkräfte.“
Kurze Einschätzung:
Der Name der Übungsserie Eiserner Wolf geht auf einen faschistischen Kampfbund im Litauen der 1920er Jahre zurück. Dass die deutsche Regierung dies im Rahmen ihrer militärischen Präsenz in Osteuropa in keiner Weise kritisch sieht, lässt tief blicken.

Kurze Einschätzung zu den Fragen 3) 4) 6) 7) 9) 13) 14) 16) 23) 24) 25) 26) 27) 29) 30c)
Die Bundesregierung beantwortete diese Fragen nicht, da ihr hierzu angeblich keine Informationen vorliegen oder der Stand der Planungen keine Antwort zulasse. Durch das Verschweigen von Informationen zum aktuellen Planungsstand wird das parlamentarische Kontrollrecht eingeschränkt und eine kritische Öffentlichkeit verhindert. Die Bundesregierung plant offenbar, Fakten zu schaffen und die Öffentlichkeit im Nachgang darüber zu informieren.

Ulmer Soldat*innen lösen mit "Trident Jaguar 2018“ wieder Ängste in Russland aus. Geht so Vertrauensbildung?

Zitat Bundeswehr-Website (download 15.02.2018): "Bereits im April 2017 begann mit der Übung „Steadfast Cobalt“ in Litauen die Vorbereitung des Multinationalen Kommandos Operative Führung aus Ulm auf die NATO-Zertifizierung im Mai 2018. Während der Übung „Trident Jaguar 2018“ im Joint Warefare Center in Stavanger / Norwegen wird dem Ulmer Kommando die Fähigkeit bescheinigt, multinationale und teilstreitkraftübergreifende Einsätze zu planen und zu führen. Als Joint Taskforce Headquarters ist das Multinationale Kommando Operative Führung dann für ein Jahr in Rufbereitschaft, um im Krisenfall weltweit NATO-Kräfte zu führen."

2018: Nato baut neues Logistik-Kommando in Ulm auf

AFP 07.06.2018 | Jetzt ist es amtlich: Ulm wird Standort eines neuen Unterstützung- und Nachschubkommandos der Nato. Das hat Generalsekretär Jens Stoltenberg bestätigt. Die Nato will ihr neues Logistik-Kommando zur schnelleren Verlegung von Soldaten und Material innerhalb Europas in Deutschland ansiedeln. Das Kommando werde in Ulm in Baden-Württemberg aufgebaut, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel. Ein weiteres neues Kommando zur Sicherung der Verbindungen über den Atlantik solle in Norfolk im US-Bundesstaat Virginia entstehen. Stoltenberg zufolge will das Bündnis insgesamt 1200 neue Posten in seiner Kommandostruktur schaffen. Die Nato hatte nach dem Ende des Kalten Krieges ihre Kommandostrukturen deutlich zurückgefahren. Wegen der Rolle Russlands in der Ukraine-Krise hat das Bündnis seine Truppenpräsenz in Osteuropa inzwischen aber wieder massiv verstärkt und zieht auch mit den Kommandostrukturen nach. Truppenverlegungen in Europa müssen bisher weitgehend von den einzelnen Nato-Ländern selbst organisiert werden. Für schweres Gerät wie Panzer gibt es dabei an jeder Grenze zeitraubende Zollformalitäten. Die Nato will nun diese Hürden abbauen. Das neue Logistik-Kommando in Ulm soll dabei nicht nur die Transportleistungen für die Nato-Partner koordinieren, sondern auch den Schutz und die Versorgung der verlegten Truppen organisieren. Deutschland hatte das Angebot im Februar unterbreitet, damals war neben Ulm noch Bonn als möglicher Standort im Gespräch. Aus der Bundeswehr war zu hören, dass die Vorbereitungen für den Aufbau in Ulm bereits angelaufen sind. Ein Großteil des benötigten Personals ist demnach de facto bereits vor Ort, weil in Ulm schon ein multinationales Kommando zur Führung von Kriseneinsätzen im Auftrag von EU, Nato und UNO angesiedelt ist. Das neue Atlantik-Kommando in den USA soll für die Absicherung der Seewege zwischen Nordamerika und Europa zuständig sein. Aufgabe ist auch der Schutz wichtiger Infrastruktur wie unterseeische Datenkabel zur Kommunikation.

IMI-Analyse 2018/16 - in: junge Welt, 15.6.2018 | Autor Tobias Pflüger | Drehscheibe Deutschland | NATO und EU rüsten auf und überprüfen die Infrastruktur für mögliche militärische Nutzungen. Die Bundesrepublik spielt dabei eine zentrale Rolle – wie die Verlegung von US-Truppen nach Osteuropa zeigt

Seit dem 20. Mai 2018 laufen – wie bereits im Vorjahr – große ­Truppenverlegungen der NATO über Deutschland nach Osteuropa. Sie dauern noch bis Ende Juni an. Im Rahmen der Operation »Atlantic Resolve III« werden 3.500 US-Soldaten und rund 1.400 Fahrzeuge samt Material nach Polen und ins Baltikum gebracht. Der Transport wurde dieses Mal nicht wie bisher über Bremerhaven, sondern über den Hafen in Antwerpen durchgeführt. Drei Schiffe legten dort zwischen dem 20. und 23. Mai an. Von Belgien aus geht es über Straßen und Schienen durch Deutschland bis in den Osten. 85 Prozent des Materials werden auf dem Schienenweg, der Rest in Konvois mit je 15 bis 20 Fahrzeugen auf der Straße bewegt. Bei der Truppenverlegung werden bisher stationierte Streitkräfte abgelöst. Alle neun Monaten soll die gesamte Kampfbrigade durch eine gleichstarke neue Brigade ersetzt werden.

Warum diese Rotation? Offiziell hat sie militärische Gründe, doch dahinter steckt auch, dass die NATO-Russland-Grundakte von 1997 explizit ausschließt, dass in Osteuropa »substantielle Kampftruppen dauerhaft stationiert« werden. Genau dies geschieht aber bereits seit längerem, die Rotation ist nur Trickserei. Die NATO hat mit der Operation »Enhanced Forward Presence« (etwa: Verstärkte Vorwärtspräsenz) bereits jeweils ein Bataillon mit etwa 1.000 Soldaten in Polen, Litauen, Lettland und Estland stationiert. Deutschland führt den NATO-Verband in Litauen an.

»Atlantic Resolve III« ist jedoch nicht die einzige Verlegung von NATO-Truppen nach Osteuropa. Wegen der alljährlich stattfindenden multinationalen Großübung »Saber Strike 18« (Säbelhieb), die vom 3. bis zum 15. Juni im Baltikum und in Polen stattfindet, wurden seit dem 28. Mai insgesamt 2.050 Fahrzeuge in 102 Konvois auf Straßen in Richtung Osten verlegt. Dabei machten die Truppen Zwischenstopps in der Fläming-Kaserne am Truppenübungsplatz Lehnin (Potsdam-Mittelmark), der Kurmark-Kaserne in Storkow (Oder-Spree) sowie an Autobahnraststätten vor allem in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die Hauptrouten waren die A2 und die A9. Von dort führten die Transporte über mehrere Strecken rund um Berlin nach Polen. Zudem wurden Panzer und anderes schweres Gerät, insgesamt 3.000 Fahrzeuge, auf Zügen transportiert. Das US-amerikanische Kontingent umfasst ungefähr 12.500 Soldaten. Das Manöver findet auf Übungsplätzen in Estland, Litauen, Lettland und Polen statt. An ihm nehmen insgesamt 20.000 Soldaten aus 19 Ländern, darunter zahlreiche NATO-Staaten, teil.

BRD – »Host Nation«
Aktiv unterstützt werden die US-Streitkräfte von der Bundeswehr, die unter anderem Kasernen und logistische Hilfe bereitstellt. Diese logistische Hilfe soll in der Zukunft noch weiter ausgebaut werden. Die Bundesregierung ist sich der Funktion Deutschlands durchaus bewusst. So schreibt das Verteidigungsministerium im aktuellen Entwurf zur Konzeption der Bundeswehr: »Deutschland ist aufgrund seiner geographischen Lage eine strategische Drehscheibe im Zentrum Europas und gleichzeitig ein wesentliches Element kollektiver Verteidigung. Die Handlungsfähigkeit des NATO-Bündnisses und der EU beruht auch auf Deutschlands Aufgabenerfüllung als Host Nation (Gastgebernation, jW), als Transitland für die Verlegung von Kräften an die Grenzen des Bündnisgebietes und im rückwärtigen Einsatzgebiet.«¹ Bereits im Mai 2017 hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Bundesrepublik als »zentral gelegenes strategisches Transitland und logistische Drehscheibe für unsere Verbündeten bei der Stärkung der NATO-Ostflanke« bezeichnet. Deutschland müsse seine Verbündeten »bei Anlandung und geordnetem Weitermarsch in die Übungs- und Einsatzgebiete in vielfältiger Weise unterstützen – nicht nur bei der logistischen Versorgung, sondern auch beim Schutz und bei der Zusammenarbeit mit zivilen Behörden und der gewerblichen Wirtschaft«. Die Unterstützungsleistungen möchte die Bundesregierung zukünftig noch weiter »ausbauen und multinational abstimmen«.²
Die Friedensbewegung kritisiert schon seit langem, dass Deutschland seine Funktion als militärische Drehscheibe im Herzen Europas allzu bereitwillig erfüllt. Ohne dessen Mitwirkung wäre der NATO-Aufmarsch in Osteuropa nicht ohne weiteres möglich. Die BRD nimmt derzeit bei der Eskalationsstrategie gegen Russland eine zentrale Rolle ein.
Deutschland soll künftig nicht nur am Hindukusch und in der Sahelzone, sondern auch wieder im Baltikum und in Osteuropa »verteidigt« werden. Nichts anderes ist gemeint, wenn von einer »gleichrangigen« Fokussierung auf Auslandseinsätze sowie Landes- und sogenannte Bündnisverteidigung die Rede ist. Peter Tauber (CDU), Staatssekretär im Verteidigungsministerium, bezeichnet die Landes- und Bündnisverteidigung als »die anspruchsvollste Aufgabe mit dem höchsten Nachholbedarf«. Dementsprechend wird sie auch im Entwurf zur neuen »Konzeption der Bundeswehr« als deren erste Aufgabe noch vor den Auslandseinsätzen genannt. Mit anderen Worten: Die Kapazitäten für Auslandseinsätze sollen nicht reduziert, aber gegen Russland soll gleichzeitig aufgerüstet werden. Moskau wird zwar nicht ausdrücklich erwähnt, aber immer häufiger ist die Rede davon, dass aufgrund »der sicherheitspolitischen Entwicklungen der letzten Jahre (…) die Bündnisverteidigung wieder in den Fokus der strategischen Überlegungen der NATO gerückt« sei. Hierbei könnte die Bündnissolidarität der Bundeswehr »absehbar zusätzliche Leistungen und Fähigkeiten, besonders in den Randgebieten der Bündnisse, aber auch aufgrund der besonderen Lage Deutschlands als Transitland in der Mitte Europas und als Host Nation abverlangen«. Zudem sollen sich aufgrund der »Relevanz der Landes- und Bündnisverteidigung« alle Angehörigen der Bundeswehr ihrer Rolle bewusst sein und ihre Anstrengungen auch in der Ausbildung wieder verstärkt auf diese Aufgabe ausrichten. »Abschreckung und Verteidigung auf Grundlage einer geeigneten Mischung aus konventionellen, nuklearen und Raketenabwehrfähigkeiten« seien weiterhin ein Kernelement der Gesamtstrategie. Landes- und Bündnisverteidigung sei außerdem »der bestimmende Parameter für die Grundaufstellung der Bundeswehr«.

Neue Kommandostäbe
Die NATO-Verteidigungsminister haben einen Ausbau der Führungsstruktur des Bündnisses beschlossen: Zwei neue Kommandostäbe sollen die Logistik innerhalb Europas sowie möglichen Nachschub über den Atlantik organisieren. Einer dieser Stäbe – das »Joint Support and Enabling Command« (JSEC) – soll die Bewegung von Truppen und Kriegsgerät an die NATO-Ostflanke besser und schneller organisieren. Außerdem soll es den Schutz von Soldaten und Waffen sicherstellen und für die Absicherung von Straßen und Häfen sorgen. Im Falle einer Aktivierung könnte dieses Kommando »alles steuern, was nach Europa kommt, in Europa bewegt oder in ein Einsatzgebiet außerhalb Europas verlegt werden soll«, so die Nachrichtenagentur Reuters.³ Die Zuständigkeit des Kommandos würde damit so weit reichen wie der Verantwortungsbereich des Oberbefehlshabers der NATO in Europa. Das JSEC soll von der Gastnation betrieben und nur bei Bedarf dem Bündnis unterstellt werden. Angesiedelt wird es in Ulm, wo die Streitkräftebasis mit dem »Multinationalen Kommando Operative Führung« bereits über eine für diese Aufgabe geeignete Dienststelle verfügt, die bei Bedarf innerhalb kürzester Zeit Personal und Material zur Planung und Führung multinationaler (Kampf-)Einsätze der Land-, Luft- und Seestreitkräfte der EU und der NATO stellen kann. Ab dem 1. Juli 2018 steht dieses multinationale Kommando in Ulm ohnehin ein Jahr lang in Bereitschaft. Ruft die NATO in dieser Zeit zu einem Einsatz und stimmt die Bundesregierung zu, wird sich dort das Hauptquartier befinden, von dem aus bis zu 60.000 Soldaten gesteuert werden. Das Verteidigungsministerium hofft auf sogenannte Synergieeffekte zwischen den beiden sich am selben Ort befindenden Kommandos.
NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte am 8. November 2017 auf der Pressekonferenz im Rahmen des Treffens der Verteidigungsminister des Bündnisses in Brüssel: »Bei militärischer Mobilität geht es nicht nur um neue Kommandozentren. Es geht auch um die Fähigkeit, Kräfte und Militärgerät schnell, mit den richtigen Transportmitteln und der richtigen Infrastruktur zu bewegen. (…) Wir benötigen genug Transportkapazität (…), und wir müssen die Infrastruktur verbessern, zum Beispiel Straßen, Brücken, Schienen, Start- und Landebahnen und Häfen. (…) Daher ist es wichtig, dass unsere Verteidigungsminister unseren Innen-, Finanz- und Verkehrsministern die militärischen Anforderungen vermitteln.«⁴ Außerdem sollen bürokratische Hürden bei der Überquerung von Grenzen für das Militär abgebaut werden. Stoltenberg bedankte sich bei der EU für die sehr enge Kooperation und die Finanzierung eines Teils dieser Maßnahmen. Auch die deutsche Verteidigungsministerin treibt diese Pläne aktiv voran. Ziel sei es, künftig »ohne große Bürokratie mit großer Geschwindigkeit« Truppen zu verlegen, sagte von der Leyen. Entstehen solle dabei eine Art »militärisches Schengen«.⁵
Das Militär erhält Reisefreiheit und gleichzeitig werden die Ausgaben »zum Schutz der europäischen Außengrenzen«, sprich für die Abschottung gegen Flüchtlinge, nahezu verdreifacht. So sehen es die Pläne der EU-Kommission für das nächste Jahrzehnt vor. Für die Jahre 2021 bis 2027 sind dagegen nach Angaben von EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos rund 35 Milliarden Euro vorgesehen. Im aktuellen Finanzrahmen sind es 13 Milliarden Euro. Allein 21,3 Milliarden Euro sollen künftig für den »Außengrenzschutz« zur Verfügung stehen. Mit dem Geld soll etwa die Aufstockung des Personals der EU-Grenzschutzbehörde Frontex auf rund 10.000 Beamte bezahlt werden. Zudem soll ein neuer Grenzmanagementfonds geschaffen werden, der mit knapp zehn Milliarden Euro ausgestattet sein soll.⁶ Viel Geld für die Abschottung.

»Weltpolitikfähigkeit«
Die EU will eine wirksame imperiale Macht werden. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker meinte dazu im Februar auf der Münchner »Sicherheitskonferenz«: »Wir waren lange Zeit nicht weltpolitikfähig. Und die Umstände bringen es mit sich, dass wir uns um Weltpolitikfähigkeit bemühen müssen. (…) Jetzt gibt es Fortschritte, und diese Fortschritte sind auch notwendig, und die Zahlen sprechen für sich. (…) Wir müssen also das Beschaffungswesen deutlich vereinfachen und verbessern. Wir haben bis jetzt in Sachen Forschung 90 Millionen Euro für die Jahre 2018 und 2019 in Aufstellung gebracht. Wir werden diese Summe deutlich nach oben korrigieren – bis 2020 werden wir 590 Millionen Euro aufstellen.«⁷ Zudem äußerte Juncker, die EU müsse sich vom Einstimmigkeitszwang im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik »befreien« und zu Mehrheitsentscheidungen kommen, um handlungsfähiger zu werden.
Im neuen Haushalt hat sich die EU einen eigenen Rüstungsfonds geschaffen, der das Kernstück der Finanzierung militärischer Projekte auf EU-Ebene sein soll. Die vertragliche Grundlage, Artikel 41, Absatz 2 des geltenden EU-Vertrages wird dabei trickreich umgangen, indem die Gelder als Industrie­förderung deklariert werden. Insgesamt kommen so Finanzmittel von ca. 50 Milliarden Euro für die Jahre 2022 bis 2027 zusammen (siehe jW-Thema vom 8.5.2018). Von zentraler Bedeutung für die fortschreitende Militarisierung der EU ist auch die Schaffung der sogenannten Permanent Structured Cooperation (Pesco, Ständige strukturierte Zusammenarbeit). Eines der insgesamt 17 Projekte von Pesco ist der Ausbau der militärischen Mobilität. Deutschland ist für vier Projekte verantwortlich: Eines davon ist der Aufbau eines Netzwerkes »von logistischen Drehscheiben«. Bei dem Projekt »Military Mobility«, das von den Niederlanden koordiniert wird, tritt die Bundesrepublik zudem als »Kosponsor« auf, wie das Verteidigungsministerium mitteilt.⁸
Die EU-Kommission hat sich vorgenommen, Straßen, Schienen und Brücken in Europa bis 2019 auf ihre militärische Tauglichkeit zu überprüfen. Anschließend soll eine Liste mit den aus Sicht des Militärs renovierungsbedürftigsten Streckenteilen erstellt werden. Für die Ausbauarbeiten sollen im künftigen Haushalt der EU ab 2020 zusätzliche Gelder unter dem Titel »Connecting Europe Facility – Military Mobility« bereitstehen. Für den Zeitrahmen von 2021 bis 2027 sind hierfür 6,5 Milliarden Euro eingeplant.⁹ Bei künftigen Infrastrukturvorhaben sollen zudem militärische Verwendungsmöglichkeiten immer mit bedacht werden. »Unser Ziel ist, unsere Transportwege besser zu nutzen und sicherzustellen, dass militärische Anforderungen bei der Planung von Infrastrukturprojekten berücksichtigt werden«, sagte EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc. Außerdem will die EU-Kommission Vorschriften – etwa für den Transport von Gefahrengut zwischen EU-Ländern – angleichen. Aus ihrer Sicht bestehen dabei zwischen den einzelnen Staaten zu viele zeitraubende regulatorische Unterschiede und Hindernisse. Der Aktionsplan geht auch auf eine gemeinsame Erklärung der EU-Mitgliedsstaaten unter Ägide der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini im November 2017 zurück, bis März 2018 Maßnahmen für eine sogenannte »Union, die schützt« vorzuschlagen. Die Erklärung steht im Einklang mit den Bemühungen, die militärische Zusammenarbeit – vor allem im Rahmen von Pesco – zu intensivieren. Laut Jean-Claude Juncker soll sich die EU bis 2025 zu einer »vollumfänglichen Verteidigungsunion« entwickelt haben.
Soldaten der Bundeswehr werden nicht nur in den baltischen Staaten stationiert, die Bundesrepublik trägt auch die Hauptverantwortung für die NATO-Logistik in Westeuropa. Mit dem Ausbau der militärischen Infrastruktur und der Bereitstellung ziviler Infrastruktur für militärische Zwecke, ermöglicht sie, dass de facto permanent Truppen direkt an der russischen Grenze stationiert werden können. Das sollte neben der kostspieligen Aufrüstung der Bundeswehr in den nächsten Jahren sowie den Rüstungsexporten ein Schwerpunkt der Mobilisierungen der Friedensbewegung sein. Es ist erfreulich, dass es immer wieder Aktionen gegen Truppentransporte gibt. Sie sind bitter nötig.

Anmerkungen
1  Verteidigungsministerium: Entwurf zur Konzeption der Bundeswehr, April 2018, S. 60
2  Verteidigungsministerium: Tagesbefehl, Mai 2018, http://t1p.de/kpw2
3  Reuters: »Neues NATO-Logistikkommando kommt wohl nach Ulm«, 20.3.2018
4  Pressekonferenz, 8.11.2017
5  »NATO beschließt neue Kommandozentren zur schnelleren Truppenverlegung innerhalb Europas«, Die Welt, 14.2.2018
6  dpa, 12.6.2018
7  Rede von Präsident Jean-Claude Juncker anlässlich der 54. Münchner Sicherheitskonferenz, 17.2.2018, http://t1p.de/tds9
https://www.bmvg.de/de/aktuelles/pesco–schritt-in-die-richtige-richtung-25070
9  EU Budget for the future, S. 29 u. European Peacebuilding Liaison Office, http://t1p.de/szfu

 

Text der Bundeswehr aus dem Jahr 2017, hier als pdf-Dokument, download im April 2018, Quelle: Streitkräftebasis Bw | Ein Meilenstein für die Fähigkeitsentwicklung der NATO-Logistik: Das Joint Logistic Support Group Coordination and Training Centre (JCTC) | Einleitung

Im September 2014 beschloss die NATO die Stärkung ihrer Präsenz zur Bündnisverteidigung und die damit verbundene Weiterentwicklung und Verbesserung ihrer Fähigkeiten im Bereich der multinationalen Logistik. Dabei war es für die NATO in der Vergangenheit immer eine besondere Herausforderung, die logistischen Fähigkeiten für das Bündnis sicherzustellen. Aus diesem Grund wurde am 8. November 2017 die JCTC als Kompetenzzentrum in Garlstedt aufgestellt.

Unter deutscher Führung arbeiten daher derzeit 12 Nationen innerhalb des sogenannten „Framework Nations Concept“ (FNC) im Cluster Logistics (CL) an der Verbesserung von ausgewählten multinationalen logistischen Fähigkeiten. Das Konzept der NATO verfolgt das Ziel, die Zusammenarbeit der verbündeten Streitkräfte untereinander und mit multinationalen Partnern zu verbessern, um die NATO durch die gemeinsame Entwicklung von militärischen Fähigkeiten für die zünftigen Herausforderungen zu wappnen. Größere NATO-Nationen mit breit aufgestellten Fähigkeiten fungieren als Framework Nation, indem sie kleineren Allianzmitgliedern die Möglichkeit bieten, ihre Spezialfähigkeiten im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft (Cluster) einzubringen. Dabei wurde im FNC CL in einem ersten Schritt die personelle Alimentierung von JLSG Hauptquartieren (JLSG HQs) in Angriff genommen und ein multinationaler JLSG HQ-Personalpool ins Leben gerufen (siehe Abb. auf Seite 2).

Für die Ausbildung und Inübunghaltung des im Personalpool assignierten JLSG HQ Stabspersonal und von JLSG HQ wird Deutschland bereits im Oktober 2017 an der Logistikschule der Bundeswehr (LogSBw) ein Kompetenzzentrum (JLSG Coordination & Training Centre (JCTC) in Dienst stellen.

Der Kernauftrag des JCTC wird dabei die Ausbildung und Inübunghaltung von multinationalem Personal für JLSG HQs umfassen. Das im Kompetenzzentrum eingesetzte hochqualifizierte Ausbildungspersonal wird ergänzend selbst für Einsätze und Übungen innerhalb von JLSG HQs zur Verfügung stehen und sich aktiv in die konzeptionelle Weiterentwicklung von multinationaler Logistik in enger Zusammenarbeit mit dem LogKdoBw einbringen. Mittelfristig – ab 2024 – sogar mit einem HQ-Unterstützungselement inklusive eines verlegefähigen Gefechtsstands mit einer IT-Gefechtsstandausstattung für ein JLSG HQ.

Ausgehend von den ersten Planungen im Oktober 2016 bis zur Aufstellung dieser neuen und innerhalb der NATO bislang einzigartigen Fähigkeit vergingen nur 12 Monate. Die erste Bewährungsprobe für das JCTC steht bereits im Dezember 2017 in Form eines multinationalen JLSG Lehrgangs sowie eines JLSG Preparation Trainings des JLSG HQ des 1. DEU/NLD Korps aus Münster an.

Die Geschwindigkeit von der ersten Idee bis zur Umsetzung unterstreicht eindrucksvoll den Willen Deutschlands, seine Führungsrolle bei der Umsetzung des Framework Nations Concept im Bereich multinationaler Logistik konsequent auszufüllen, in Vorleistung zu gehen und multinationale logistische Fähigkeiten konsequent weiterzuentwickeln. Das JCTC stellt einen Meilenstein in der Fähigkeitsentwicklung der NATO-Logistik dar.

1. Zur sicherheitspolitischen und militärischen Einordnung

Unter dem Eindruck der RUS-UKR-Krise fassten die Staats- und Regierungschefs der 28 NATO-Staaten auf ihrem Gipfeltreffen in Wales 2014 weitreichende Beschlüsse zur Zukunft der Allianz. Im Schwerpunkt einigte sich die Allianz auf eine erhöhte Einsatzbereitschaft der NATO Response Force (NRF), um einerseits ein klares Signal der „Rückversicherung“ an alle NATO-Mitgliedsstaaten zu senden und andererseits gegenüber Russland ein glaubwürdiges Signal der wirksamen Abschreckung zu geben.

Die Bedeutung von multinationaler Logistik und der Beseitigung von erkannten logistischen Fähigkeitsdefiziten hat spätestens seit diesen Gipfelbeschlüssen weiter zugenommen. Insbesondere die Aufstellung, Alimentierung, Ausbildung und Inübunghaltung einer JLSG hat die NATO immer vor besondere Herausforderungen gestellt. Oftmals konnten in den zurückliegenden Jahren die hierfür erforderlichen logistischen Kräfte nicht im erforderlichen Maß gewonnen werden (siehe nachfolgende Abb.).

Vor diesem Hintergrund stützen sich einzelne Nationen auf das von Deutschland bereits während des Verteidigungsministertreffens 2013 eingebrachte „Framework Nations Concept“ ab. Es wurde auf dem Wales Summit 2014 durch die Unterzeichnung einer Vereinbarung ins Leben gerufen. Die Bundesministerin für Verteidigung hat dabei im Rahmen des dritten informellen Treffens der FNC Verteidigungsminister zugesagt, dass Deutschland ein JLSG HQ als Rahmennation bis 2024 aufstellen wird. Deutschland hat zudem als Rahmennation die Führungsrolle im Cluster Logistics übernommen. Unter deutscher Führung arbeiten inzwischen 12 Nationen im FNC CL an der Verbesserung von ausgewählten logistischen Fähigkeiten der Allianz. Die am FNC CL beteiligten Nationen haben zunächst in einem ersten Schritt die personelle Alimentierung von JLSG HQs koordiniert und einen multinationalen JLSG HQ-Personalpool implementiert. Ein JLSG HQ ist grundsätzlich nicht dauerhaft voll aufgestellt. Vielmehr existiert ein Kernstabelement („Core Staff Element = CSE“), das im Aktivierungsfall durch Soldatinnen und Soldaten verschiedener Nationen umfangreich ergänzt werden muss. Um geeignetes Personal rechtzeitig zu identifizieren sowie für Einsätze und Übungen auszubilden und vorzuhalten, wurde daher im FNC CL ein Personalverstärkungspool geschaffen.

In weiteren Schritten werden derzeit Möglichkeiten zur gemeinsamen Aufstellung von Reception Staging Onward Movement (RSOM) Kräften sondiert. Langfristig sollen weitere für den Aufbau und den Betrieb einer JLSG notwendige Truppenkörper abgestimmt werden, um letztlich der NATO voll ausgebildete u. aufgestellte JLSGs verbindlich in Anlehnung an den NRF-Planungszyklus anzeigen zu können.

2. Zur fähigkeitsbezogenen Herleitung des JCTC

Vor dem Hintergrund der oben erläuterten multinationalen Projektarbeit im FNC CL sowie der Auswertungsergebnisse einer in Deutschland durchgeführten multinationalen Verlege- und RSOM-Übung „Joint Derby 2016“ wurden insbesondere zwei Aspekte sehr deutlich. Die Aufgaben des innerhalb eines JLSG HQ eingesetzten Personals sind sehr komplex und benötigen eine solide, umfassende, standardisierte, an Einsatzerfordernissen ausgerichtete und zertifizierte Ausbildung. Die Vielzahl an gesetzlichen Bestimmungen, vertraglichen Regeln, Verfahren und technischen Anwendungen auf internationaler und nationaler Ebene, die durch das Personal in einem JLSG HQ beachtet, koordiniert und beherrscht werden müssen, begründen ein sehr hohes Ausbildungserfordernis. Der Bedarf zur Aufstellung einer darauf spezialisierten Ausbildungseinrichtung wurde offenkundig und durch zahlreiche Nationen bestätigt. Zudem wurde deutlich, dass derzeit ein materielles Fähigkeitsdefizit besteht. Die NATO verfügt für die Aufstellung von JLSG HQ noch nicht über eine ausreichende Anzahl jeder Zeit verfügbarer verlegefähiger Gefechtsstände mit zugehöriger IT-Ausstattung.

Diese Erkenntnisse bildeten den Ausgangspunkt für die Konzeption des „JLSG Coordination and Training Center“ (JCTC) an der LogSBw in Garlstedt. Hier werden erstmals eine Ausbildungseinrichtung, hoch qualifiziertes Personal und ein einsatzfähiger, verlegefähiger Gefechtsstand für ein JLSG HQ an einem Ort zusammengeführt.

Das JCTC wird im Kern der fachlichen Ausbildung des in einem JLSG HQ benötigten Personals dienen, um es für einen multinationalen Einsatz unter Beachtung von NATO Vorschriften und Verfahren sowie unter Anwendung der unterstützenden IT-Services „Logistics Functional Area Services (LOGFAS)“ vorzubereiten. [Anmerkung: 1 LOGistics Functional Area Services ist das NATO Planungs-, Informations- und Meldeinstrument und besteht unter anderem aus den Komponenten ACROSS (Bevorratungsberechnung und -planung), ADAMS (Verlegeplanung), LOGREP (Logistisches Meldewesen), EVE (Kontrolle des Transportverlaufs) und CORSOM (Verlegeplanung im Einsatzgebiet inkl. Weiter- und Rückverlegung).]

Darüber hinaus wird es befähigt, eine Gefechtsstandausstattung für ein JLSG HQ vorzuhalten und zu betreiben, JLSG HQ mit Personal zu alimentieren und die konzeptionelle Weiterentwicklung weiter vorantreiben.

3. Die Rolle des JCTC – Auftrag und Zeitlinien der Fähigkeitsentwicklung

Aufsetzend auf dem vielschichtigen Tätigkeitsspektrum eines JLSG HQ liegt der Kernauftrag für das JCTC ab Dezember 2017 zunächst in den Bereichen Ausbildung und Inübunghaltung von JLSG HQ Personal.

In einer ca. einjährigen Aufwuchsphase wird eine Anfangsbefähigung erreicht werden. Zielsetzung für 2019 ist es, dass das JCTC Stammpersonal die Trainingsnach international zertifizierten Standards zur Erhöhung der Einsatzbereitschaft und Interoperabilität für NATO und EU durchführen wird. Bis Ende 2023 werden während einer ca. 5-jährigen weiteren Aufbau- und Weiterentwicklungsphase u.a. Individual- und Teamausbildungen für die JLSG HQ CSEs der NATO Rapid Deployable Corps (bspw. MN Joint HQ Ulm, HQ 1. DEU/NLD Corps, etc.) durchgeführt sowie die gemeinsame Inübunghaltung des deutschen und multinationalen Personals des JLSG HQ-Personalverstärkungspool sichergestellt werden. Der Teilnehmerkreis an den Trainings wird sich dabei immer multinational gestalten und als Zielgruppe neben Deutschland vor allem die FNC-Partnernationen wie POL, NOR, NLD, CZE, SVN, DNK, HUN, GBR, uvm., aber auch andere Nationen ansprechen.

Als weitere Aufgabe wird die Bewirtschaftung des nationalen JLSG-Personal- und Material-Pools sowie die Bereithaltung von qualifiziertem Einzelpersonal für die Alimentierung von JLSG HQ für Einsätze und Übungen sukzessive zunehmen. Hierzu wird u.a. im Zeitfenster 2019 bis 2021 der Aufwuchs eines JCTC HQ Support Elements als Unterstützungskomponente vorangetrieben (Abb. unten).

Ferner ist es geplant, dass das JCTC sich in enger Zusammenarbeit mit Dienststellen der NATO sowie der EU im Bereich „Concept and Doctrine Development“ aktiv mit einbringt. Ziel ist es, in enger Zusammenarbeit mit dem LogKdoBw Beiträge zur Weiterentwicklung multinationaler logistischer Konzepte und Vorschriften zu liefern und bei deren nationaler Umsetzung zu unterstützen.

Auf weitere Sicht soll ab 2024 die vollständige materielle und personelle Einsatzbefähigung des JCTC erreicht werden. Der verlegefähige Gefechsstand kann dann durch ein JLSG HQ für internationale Einsätze und Übungen grundsätzlich weltweit genutzt und durch Personal des JCTC HQ Support Elements aufgebaut bzw. betrieben werden.

4. JCTC als Chance für die Optimierung der NATO-Logistik und Ableitungen für die Zukunft

Mit dem Aufbau dieser bisher einzigartigen Ausbildungseinrichtung wird im Rahmen der Weiterentwicklung der multinationalen Logistik ein Meilenstein geschaffen. Die Interoperabilität wird sich durch die konsequente Ausbildung nach NATO-Doktrinen und -Verfahren (Standing Operating Procedures) sowie durch die Einbindung der LOGFAS-Produktfamilie in die Übungstätigkeit nachhaltig verbessern. Mittelfristig wird NATO-weit für JLSG HQs mehr hochqualifiziertes und ausgebildetes Personal zur Verfügung stehen. Dies wird sich positiv die Einsatzbereitschaft des Personalverstärkungspools für JLSG HQ auswirken.

Diese Ausbildungseinrichtung wird zusätzlich einen wesentlichen Beitrag für die gemeinsame Trainings- und Übungstätigkeit von Kernstabelementen der JLSGHQs mit ihrem jeweiligen Verstärkungspersonal leisten. Das JCTC wird daher, neben der rein fachlichen Komponente, für das Gelingen von multinationalen Operationen innerhalb der „menschlichen Dimension“ in Form des Teambildungsbeitragen können. Unter dem Stichwort „building the team before the battlebegins“ sind vor allem Kohäsion, gemeinsame Arbeitsprinzipien und vertrauensbildende Maßnahmen als zentrale Effektivitäts- und Effizienztreiber für die NATO-Nationen in diesem Kontext aufzuzeigen.

Mit der Beschaffung und Bereitstellung einer verlegefähigen Gefechtsstandhülle für ein JLSG HQ wird letztendlich die Voraussetzung geschaffen, die durch Deutschland gegenüber der NATO eingegangene Verpflichtung, als Rahmennation ein JLSG HQ zu stellen, erfüllen zu können.

In Summe der gemeinsamen Anstrengungen sollte als Ergebnis dieser logistischen Fähigkeitsentwicklung für die NATO eine verlässliche Fähigkeit zum personellen Aufwuchs von JLSG HQs und zu deren Verlegung in mögliche Einsatz-gebiete stehen.

5. Fazit & Ausblick

Das LogKdoBw setzt mit der Aufstellung des JCTC – konsequent ausgerichtet an den hohen Erwartungen der NATO-Partner an die Führungsrolle Deutschlands –ein klares Signal der Verantwortungsübername und beweist damit Umsetzungs-stärke in der Fähigkeitsentwicklung für die NATO-Logistik.

Die 12-monatige intensive Arbeit zur Herstellung einer Anfangsbefähigung wird sich noch in diesem Jahr auszahlen. So wird das JCTC bereits im Dezember2017 in das JLSG Orientation Training mit internationaler Beteiligung eingebunden, als Gastgeber für das Preparation Training für die NRF "Standby"-Phase des HQ 1. DEU/NLD Korps fungieren und überdies das MN JHQ Ulm für das Preparation Training seines JLSG HQ für die EXERCISE TRIDENT JAGUAR 2018 im März nächsten Jahres unterstützen.

Diese Wegmarken kontinuierlich auszubauen und die Realisierung dieses Kompetenzzentrums für „Joint Logistics Support“ sicherzustellen, wird die herausfordernde Aufgabe des künftigen Leiters des JCTC sein. Nach dem erfolgreichen Start ist mittelfristig anzustreben, das JCTC nicht nur für die Ausbildung sondern auch im Grundbetrieb und beim Stammpersonal für andere Nationen zu öffnen und schrittweise zu multinationalisieren.

Autoren: O i.G. Jozwiak (Gruppenleiter WE LogSysBw im LogKdoBw), M i.G. Holldack (Projektsekretär FNC CL im LogKdoBw), KK Dr. Mathias Jahn (Projektsekretär JCTC im LogKdoBw)

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