Jugendoffiziere der Bundeswehr besuchen regelmäßig Ulmer Schulen und machen Werbung für das Militär und den Krieg. Darüberhinaus werden Schüler*innen bei den verschiedenen Ausbildungsmessen und im Ulmer Rekrutierungsbüro (Unterer Kuhberg) für das Militär angeworben.

Wenn der Besuch eines Jugendoffizieres angekündigt wird, dann können wir im Vorfeld unseren Schüler*innen die Arbeitsblätter "bevor du unterschreibst" austeilen. Es gibt solche Arbeitsblätter im Internet kostenlos bei der DFG-VK. Es gibt zu diesem Thema auch die deutschlandweite Kampagne "schulfrei für die Bundeswehr". Außerdem gibt es von der Ärzte-Organisation ippnw seit 2018 das Flugblatt "Risiken und Nebenwirkungen" (siehe unten)

Pädagogen im Visier
18.06.2018 | https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/7640/

BERLIN (german foreign policy) - Die Bundeswehr verstärkt ihre Propagandaarbeit gegenüber Lehrkräften staatlicher Schulen. Erst in der vergangenen Woche berichtete der militärpolitische Think-Tank der Bundesregierung, die Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS), über ein Treffen mit Referendaren der Fächer Politik und Sozialkunde. Man habe dabei "wertvolle Einblicke in die schulische Vermittlung außen- und sicherheitspolitischer Themen" erhalten, heißt es. Den für die Agitation von Schülern zuständigen "Jugendoffizieren" der deutschen Streitkräfte wiederum gelten Pädagogen nach eigenem Bekunden als wichtige "Multiplikatoren" von Propagandabotschaften. Wie einem aktuellen Report der Truppe zu entnehmen ist, veranstalten mittlerweile sogar Kampfeinheiten in ihren Kasernen eigens "Tage der Lehrkräfte". Die "Jugendoffiziere" selbst empfehlen sich Lehrern als militärpolitische Referenten, indem sie auf ihre "persönlichen Eindrücke" von Kriegsoperationen verweisen - etwa "aus dem Einsatz in Afghanistan".
Reduzierte Realität

Wie die Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) mitteilt, hatte sie unlängst angehende Lehrerinnen und Lehrer des Staatlichen Studienseminars aus Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz zu Gast. Thema der Zusammenkunft seien die "zentrale[n] Herausforderung[en] des schulischen Alltags" in den Fächern Politik und Sozialkunde an Gymnasien gewesen, heißt es. Diskutiert wurde laut BAKS unter anderem, wie es gelingen kann, "die Inhalte des Lehrplans mit der Aktualität zu vernetzen" und "Realität didaktisch soweit (zu) reduzieren, dass sie in eine Unterrichtseinheit von 45 Minuten hineinpasst". Die Bundesakademie lieferte den Referendaren dabei nach eigenem Bekunden "zahlreiche Impulse" für den pädagogischen Umgang mit "aktuellen Brennpunkten internationaler Politik" - und konnte selbst die "wertvolle Gelegenheit" nutzen, "Einblicke in die schulische Vermittlung außen- und sicherheitspolitischer Themen und das diesbezügliche Interesse der Schülerinnen und Schüler zu erhalten".[1]
Besonders lohnend

Auch den vornehmlich für die Agitation von Schülern zuständigen "Jugendoffizieren" der Bundeswehr gelten Pädagogen als wichtige "Zielgruppe", will man doch explizit "Multiplikatoren" für Propagandabotschaften gewinnen. Wie die Truppe in ihrem aktuellen Jahresbericht schreibt, hat sie 2017 mit ihrer "Informationsarbeit" allein rund 13.000 Lehrer, Referendare, Schulleiter und Mitarbeiter der Schulaufsichtsbehörden erreicht. Als "besonders lohnend" hätten sich Vorträge vor noch in Ausbildung befindlichen Lehrkräften erwiesen, heißt es: "Der Zielgruppe der Referendarinnen und Referendare wurde besondere Aufmerksamkeit gewidmet, denn sie sind die Lehrerinnen und Lehrer von morgen und werden dann eher auf das ihnen bereits bekannte Angebot der Jugendoffiziere zurückgreifen. Zudem konnte so gut wie keiner von ihnen auf praktische Erfahrungen mit der Bundeswehr aus eigener Dienstzeit als Soldat oder Soldatin zurückgreifen, so dass der Kontakt zum Jugendoffizier von besonderem Wert war."[2]
Flüchtlinge und Terroristen

Um Pädagogen für eine Zusammenarbeit zu gewinnen, lassen sich die "Jugendoffiziere" folgerichtig einiges einfallen. So wird etwa ganzen "Lehrergruppen" die Teilnahme an militärpolitischen "Tagesseminaren" und "Seminarfahrten" offeriert - zwecks Besuch des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam oder der NATO-Hauptquartiere in Brüssel (Belgien), Brunssum (Niederlande) und Szczecin (Polen). Wie ein an Schulleitungen gerichteter Musterbrief der Truppe ausführt, seien die jeweiligen Vorträge der "Jugendoffiziere" dabei exakt "an die Rahmenlehrpläne der verschiedenen Schulformen angepasst". Zu den behandelten Themen heißt es, man biete unter anderem "Antworten" auf die "allgegenwärtigen Fragen" nach den Auswirkungen von "Flüchtlingsströme(n)" und "global agierende(m) Terrorismus". Auch seien die "Jugendoffiziere" in der Lage, ihre Referate über das militärische "Krisen- und Konfliktmanagement" mit "persönlichen Eindrücken aus dem Einsatz in Afghanistan" zu unterfüttern, erklärt die Bundeswehr.[3]
Tag der Lehrkräfte

Die "Jugendoffiziere" ebenso wie die für die Nachwuchsrekrutierung zuständigen "Karriereberater" der deutschen Streitkräfte organisieren zudem regelmäßig "Besuche bei der Truppe". Das Angebot, einen "Blick hinter den Kasernenzaun" zu werfen [4], zielt in erster Linie auf Schulklassen; gleichzeitig wurden damit allerdings allein 2017 laut Bundesregierung auch 561 Lehrer und Vertreter von Schulbehörden erreicht.[5] Dem aktuellen Jahresbericht der "Jugendoffiziere" zufolge veranstalten außerdem etliche Kampfeinheiten der Bundeswehr regelmäßig einen "Tag der Schulen" - ein "Format", das mittlerweile zumindest in Baden-Württemberg um einen eigenen "Tag der Lehrkräfte" ergänzt wird.[6]
Unerwünschte Handreichung

Besonders lobend äußern sich die "Jugendoffiziere" in ihrem Report über die Zusammenarbeit mit den Kultusministerien und den Schulbehörden der einzelnen Bundesländer, die vielfach durch sogenannte Kooperationsvereinbarungen geregelt ist (german-foreign-policy.com berichtete [7]). Verwiesen wird insbesondere darauf, dass die Truppe in Niedersachsen ungehinderten Zugang zu den "Regionalkonferenzen" der Schulleiter hat und in ganz Hessen bei den dortigen "Schulleiterdienstversammlungen" auftreten darf. An einer "Handreichung" des Bildungsministeriums Sachsen-Anhalt für Lehrer hingegen üben die "Jugendoffiziere" scharfe Kritik, machen sie das Papier doch für einen "spürbare[n] Rückgang der Veranstaltungen mit Schulen" verantwortlich.[8] Der seinerzeitige Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) hatte hierin 2014 gemäß der geltenden Rechtslage angeordnet, dass Truppenbesuche "keinen erlebnispädagogischen Eventcharakter" haben dürfen, dass für die "Karriereberater" der Bundeswehr während der Schulzeit ein "absolutes Werbeverbot" gilt und dass Vorträge von "Jugendoffizieren" durch Referate von Angehörigen friedenspolitischer Organisationen zu flankieren sind.[9]
Fachliche Beratung

Aber selbst in einer solchen Situation können interessierte Pädagogen immer noch auf die unter dem Titel "Frieden und Sicherheit" firmierenden "Unterrichtsmaterialien" der als gemeinnützig anerkannten "Stiftung Jugend und Bildung" zurückgreifen. Die von Funktionären der Kultusministerien in Hessen, Baden-Württemberg und Niedersachsen geleitete Organisation stützt sich nach eigenen Angaben auf die "fachliche Beratung" des Bundesverteidigungsministeriums. In einem aktuellen "Arbeitspapier" der Stiftung zum Thema "Cybersicherheit" wird denn auch ein Presseartikel zitiert, dessen Autor sich explizit dafür ausspricht, "bei Angriffen im Internet zurück[zu]schlagen". Lehrer, die in den Jahrgangsstufen 9 bis 12/13 Geschichte, Politik oder Sozialkunde unterrichten, erhalten anschließend die Aufforderung, ihren Schülern folgende Aufgabe zu stellen: "Sollte es einem Staat bei einem Cyberangriff aus dem Ausland möglich sein, gegebenenfalls einen Server im Ausland unschädlich zu machen? Bislang gibt es keine internationalen Regeln, wie Staaten auf einen Cyberangriff reagieren könnten. Führen Sie eine Pro-Kontra-Diskussion zu sogenannten aktiven 'Hack-backs'."[10]

Zur Tätigkeit der "Jugendoffiziere" und der Bundeswehr im Bildungsbereich lesen Sie bitte auch: Krieg und Spiele, Zeitgemäß, ansprechend, emotional (I), Karriereberatung, Militärfreie Bildung, Rezension: Lena Sachs: Die Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und Bildungseinrichtungen, Referenten mit Einsatzerfahrung, Bundeswehr, jugendgerecht, Migranten an die Front, Zielgruppengerecht, Girls' Day und Formierung.

 

ANMERKUNGEN

[1] Sicherheitspolitik auf dem Lehrplan: im Gespräch mit Lehrerinnen und Lehrern. baks.bund.de 13.06.2018.

[2] Jahresbericht der Jugendoffiziere der Bundeswehr 2017. Berlin 26.04.2018.

[3], [4] Musteranschreiben der Jugendoffiziere Cottbus für Schulen. Cottbus 22.08.2016.

[5] Deutscher Bundestag. Drucksache 19/2196. Berlin 17.05.2018.

[6] Jahresbericht der Jugendoffiziere der Bundeswehr 2017. Berlin 26.04.2018.

[7] Siehe hierzu Militärfreie Bildung, Bundeswehr, jugendgerecht und Migranten an die Front.

[8] Jahresbericht der Jugendoffiziere der Bundeswehr 2017. Berlin 26.04.2018.

[9] Pressemitteilung 198/2014 des Kultusministeriums des Landes Sachsen-Anhalt. Magdeburg 08.12.2014.

[10] Stiftung Jugend und Bildung: Frieden und Sicherheit. Arbeitsblatt Cybersicherheit. Wiesbaden Mai 2018.

Aktuelle Friedens-Veranstaltungen in BaWü und Bayern:

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